Lebendiges Brauchtum am längsten Tag des Jahres – Rund 300 Besucher bei Sonnwendfeier
(Bericht aus der HZ vom 24. Juni von Renate Väisänen)
Noch eineinhalb Stunden bis zum Sonnenuntergang und die letzte Portion Leberkäs‘ ist schon längst über die Theke gegangen. Eine lange Warteschlange postiert sich dort zur Getränke- und Essensausgabe an der Hohenloher Scheune in der Cappelaue. Mit einem solchen Publikumszuspruch hat keiner der Organisatoren von der Ortsgruppe Öhringen des Schwäbischen Albvereins gerechnet: Rund 300 Gäste haben sich am Freitagabend bei angenehmen sommerlichen Temperaturen auf dem ehemaligen Landesgartenschau-Gelände eingefunden. Bestens besetzt sind die Bierbankgarnituren rund um die Scheune und die Bänke auf dem Hang unterhalb. Alle möchten nur das eine: den längsten Tag des Jahres genießen und feiern. Denn die Sommersonnenwende steht im Mittelpunkt der Veranstaltung, deren Höhepunkt das Entfachen des imposanten Holzstapels auf der angrenzenden Wiese ist.
Volkslieder Und bis zum Sonnenuntergang bleibt den Besuchern noch genügend Zeit, bei dem einen oder anderen Viertele althergebrachte Traditionen wiederaufleben zu lassen. „Ich möchte, dass die ganze Cappelaue vom Chor der Sonnwendfeier zum Klingen gebracht wird“, fordert der zweite Vorsitzende der Öhringer Sektion des Albvereins, Manfred Goldbaum, die Besucher auf, Volkslieder mitzusingen. Nicht ganz so wie ein Chor klingt das gemeinsame Singen. Aber immerhin sind Lieder wie „Hoch auf dem gelben Wagen“ oder „Beim Kronenwirt“ – neben dem Gesang der Besucher – durch die mittels Mikrofon verstärkten Stimmen der Vorsänger in der an die Ohrn angrenzenden Anlage bestens zu hören.
Tänzer Fürs Auge bietet das Traditionsspektakel auch noch etwas: Ins vergangene Jahrhundert wird der Betrachter beim Anblick der vereinseigenen Tanz- und Musikantengruppe in historischer, ländlicher Kleidung versetzt. In Bauernmieder, Schürze, grober Leinenjacke und Strohhut geht es für die rund 20 Tänzer und Musiker unter Hirtenhörner-Fanfaren und Sackpfeifen-Klängen über die grüne Aue um den Holzstapel. Während die Fahnenspiel-Gruppe das Hohenloher Kreiswappen kunstvoll durch die Lüfte schwingt, geben die mit Gretchenfrisur und Blumenkränzen ausgestatteten feschen Tänzerinnen zusammen mit ihren nicht minder feschen Tanzpartnern zur Musik aus der Tonkonserve ein ebenso nostalgisches wie malerisches Bild ab.
Und erst recht, wenn nach „Münchner Polka“ oder „Lüneburger Windmüller“-Walzer beim Anbrechen der Dunkelheit die Fackeln für den letzten Tanz entfacht werden und Vorstand Reiner Giesel zur Einleitung des Höhepunkts des Abends eine Feuerrede hält. Zu stimmungsvollen Streicherklängen und getragenen Tanzschrittes wird das Sonnwendfeuer mit den Fackeln entfacht. Und dieses erwärmt auch die Herzen der Zuschauer für das Brauchtum. „ Sehr schön und atmosphärisch“ findet Besucherin Sabine Hermsdorf die Veranstaltung, der sie zum ersten Mal beiwohnt. Und die Atmosphäre in der Cappelaue gefällt auch Zuschauerin Hilde Fischer: „Eine gemütliche Runde ist das hier mit einem unterhaltsamen Programm“, findet die Öhringerin.









